Lesetipp – Konstanze Kriese: Vom schwierigen Auszug aus dem Fordismus

Arbeit und Produktion im digitalen Zeitalter

Die Veränderungen vom Automobilbau bis zur Medizintechnik sind genauso tiefgreifend wie die Entstehung der »Creative industries«. Erst wenn die Arbeitswelten in Callcentern, der internationalen Logistikbranche, von Kaffeebäuerinnen und Textilherstellern, von Pflegekräften und Radiostationen, in Internetagenturen sowie im Café um die Ecke zusammengedacht werden, lassen sich wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen in den sozial und strukturell zerklüfteten Arbeitswelten genauer beschreiben. Dann ist der »digitale Bohemien« einer von vielen und einer mit vielen Abhängigkeiten. Er isst bekanntlich Pizza und trinkt Kaffee. Die Pizza kann er im Netz bestellen und mit regionalen Rohstoffen herstellen lassen. Doch der Kaffee kommt aus einer anderen Welt, mit der nicht nur er digital vernetzt, sondern auch geschichtlich verbunden ist. Weiterlesen

Wandel und Verwandlung in vier Akten – Teil IV

Kultur und Arbeit IV

Das Senftenberger Theater, die „Neue Bühne“, vor Augen, forderte eine Kultursoziologin vor nicht all zu langer Zeit: „Theater wieder in das gesellschaftliche Zentrum zu rücken, mit und in ihm öffentliche Räume zu okkupieren, es zum Mittelpunkt gesellschaftspolitischer Bewusstseinsbildung zu machen, als Baustelle städtischer Identität zu begreifen – um nichts weniger als dies geht es in einer Situation, in der Arbeit als gemeinschaftsstiftendes Moment für große Teile der Bevölkerung weggebrochen ist, in der Kommunen Insolvenz anmelden und nur noch im Notbetrieb arbeiten, in der öffentliche Kommunikation gemeinhin den Massenmedien anheim fällt, in der sich kollektive Identitäten im Nebel der globalen Verfügbarkeit auflösen oder Kinder und Jugendliche in der Freizeit meist sich selbst und den leeren Bushaltestellenhäuschen oder rechtsradikalen Freizeitangeboten überlassen sind..“ [5] Weiterlesen

Wandel und Verwandlung in vier Akten – Teil III

Kultur und Arbeit III

Über das Senftenberger Theater, die „Neue Bühne“, schrieb eine Kultursoziologin vor nicht all zu langer Zeit: „Nicht anbiedernd und auf den vermeintlich den Kulturbedürfnissen von Arbeitern (oder eben Arbeitslosen) entsprechenden Unterhaltungssektor zielend, sondern intellektuell, provokant und mit präziser Sprache und entschiedener Geste …Nicht das bildungsbürgerliche oder das avantgardistische Theater, das den Westen Deutschlands dominiert, sondern ein Theater, dessen Ansprüche sich mindestens ebenso an der konkreten gesellschaftlichen Situation und den kommunikativen Bedürfnissen der ansässigen Bevölkerung wie an der Kunst orientieren, ist das Erfolgskonzept Ostdeutschlands.“ [4] Wir erkennen, wir sollten von der Zukunft Europas, von der Zukunft der Arbeit, der Zukunft der Kultur sprechen. Weiterlesen

Wandel und Verwandlung in vier Akten – Teil I

Zur Kulturkonferenz der Linkspartei.PDS am 21. und 22. Oktober 2006 in Senftenberg

Kultur und Arbeit I

Über das Senftenberger Theater, die „Neue Bühne“, schrieb eine Kultursoziologin vor nicht all zu langer Zeit: „Dass in quasi bildungsbürgertumsfreien Zonen wie diesen ostdeutschen Regionen Stadttheater … trotzdem breit akzeptiert, gut ausgelastet und oft ausverkauft sind, ist Zeichen für einen Paradigmenwechsel, dessen Bedeutung und Beispielhaftigkeit sich vielleicht erst in den nächsten Jahrzehnten herausstellen wird. …“ [1] Sie beklagte keine Verluste. Sie sah Ähnliches in Schwedt, Anklam und an anderen Stadttheatern in Ostdeutschland. Später werden wir erkennen, dass wir von der Zukunft Europas sprechen, denn die Industriearbeit wird nicht nach Europa zurückkehren. Die älter werdende Gesellschaft wird ihre eigenen Vorzüge und Werte entdecken müssen. Wachstum werden wir neu definieren. Rückbau, Renaturierung werden wir nicht mehr als Durchgangsstufen, als Übergang in eine bessere Zukunft verstehen lernen. Weiterlesen