September im Staub des Jahrhunderts

1964. Wer in Lauchhammer eingeschult wurde, feierte im „Koker“. Die Blüschen waren höchstens zwei Stunden weiß und die Fensterbretter wurden vor Eintreffen der Verwandtschaft ein letztes Mal abgewischt. Die Oma kam aus dem luftigen Erzgebirge. Der Opa starb in seinem Garten nahe dem Uranabbau der Wismut AG. Dort waren die jungen Burschen reich und wurden nicht alt. In die Kohle zu gehen, in die Lausitz, war zwar mit einem ewigen Schleier aus Schmutz und Schmiere verbunden, aber es versprach ein längeres Leben. Weiterlesen

„Wo Licht ist, werden auch Leute sein“

oder Krabat für mindestens ein ganzes Jahr

„Viele Bauern hatten auf Neujahr ein Schwein geschlachtet, sie beschenkten die Herren Könige aus dem Morgenlande reichlich mit Wurst und Speck. Ansonsten gab es Nüsse und Backpflaumen, Honigbrot, manchmal Schmalzküchlein, Anisplätzchen und Zimtsterne. ‚Das Jahr fängt gut an!‘“ (1) sagt Lobosch zu seinen beiden Gefährten. Einer davon heißt Krabat. Diese eisigen Tage zwischen den Jahren sind für die wendischen Betteljungen eine willkommene Ausnahme. Und trotzdem träumt Krabat von des Raben rauher Stimme, von einem Ort, an dem er Zauberlehrling wird, der schwarzen Mühle in Koselbruch bei Schwarzkollm. Es ist der Ort, an dem sich Krabat zwischen einer fesselnden Macht der Gegenwart und einer offenen Freiheit der Zukunft entscheiden wird. Popkulturell verkürzt heißt dieser sinnliche Machtkonflikt wohl heute: Geld oder Liebe. Weiterlesen