“Lass uns auf die andere Seite gehen, da haben wir eine bessere Aussicht”

Tür im Magdeburger Dom, 2013

Die Filmkritik von Konstanze Kriese zum Kinostart von “Cold War – Der Breitengrad der Liebe” erschien im Monatsheft der Schriftenreihe Sozialismus.de:

“Es ist völlig unklar, ob Oscarpreisträger Paweł Pawlikowski »Die unendliche Leichtigkeit des Seins« von Milan Kundera (1984) gelesen hat, einen der Romane über den Kalten Krieg zu Zeiten des Prager Frühlings, der 1988 vom US-Amerikaner Philip Kaufman verfilmt wurde. Kaufmans Film floppte in den USA. In Europa wurde er zu beiden Seiten des Eisernen Vorhangs ein Erfolg, obwohl die Grammatik des Begehrens dem Kalten Krieg eher als Kulisse begegnete. »Cold War – Der Breitengrad der Liebe« (2018) erscheint dagegen wie die wahre Frühgeschichte, das puristisch-lyrische Quellenstudium zu Kaufmans opulenter filmischer Prosa…” – Hier die online-Langfassung und die Leseprobe der Printfassung aus der Januarheftankündigung der Sozialismus.de.

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Teil 1: Erst die Kohle, dann die Werte?

Europaparlament in Strasbourg

Ein crosspost eines Artikels von Konstanze Kriese vom Denk- und Schreibprojekt 2026.

Kulturpolitik ist das Letzte, was die europäische Politik bewegt. Einerseits streuen Festivals keinen Glitzer des Vergessens über eine nicht enden wollende Eurokrise. Andererseits verstören Filmpreise im besten Falle irgendjemanden, der daraus eine flüchtige mediale Botschaft zu produzieren weiß. Im besten aller Fälle legen Kulturproduktionen den Finger in die Wunden eines geschichtsvergessenen Europas – tiefgründig und unterhaltend.

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TTIP und die Dracula-Strategie

Stop TTIP, GUE/NGL-Group im EP, 9. Dez. 2014
Stop TTIP, GUE/NGL-Group im EP, 9. Dez. 2014

Ein kleiner Konferenzbericht von „Stop TTIP CETA TISA – For a citizens trade agenda“ (von Konstanze Kriese)

Zur Eröffnung der TTIP-Konferenz der GUE/NGL-Fraktion, am 9. Dezember, schlug Susan George vom Transnational Institut Amsterdam vor gegenüber TTIP, dem geplanten Freihandelsabkommen zwischen der USA und der EU, eine Dracula-Strategie zu fahren. „Stellt den Vampir ins Licht, dann wird er sterben.“ Und so etwas versuchten die vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmer von NGOs, Gewerkschaften und von der selbstorganisierten Europäischen Bürgerinitiative an diesem Tag. Schnell wurde klar, dass all unsere Lebensbereiche, die Art „wie wir morgen zusammen leben wollen“ (Helmut Scholz,) auf dem Spiel steht. Mit dem Ausverkauf politischer Handlungsmacht von Kommunen, Landesregierungen und Staaten, gerät alles ins Visier gieriger Kapitalanleger: unsere öffentlichen Ausschreibungen vom Nahverkehr über Krankenhäuser bis zu Bildungs- und Kulturinstitutionen, die wir zugleich auch immer an soziale und ökologische Kriterien binden wollen; die Pfade einer nachhaltigen Energiegewinnung, Arbeitsplätze und Arbeitsstandards, gewerkschaftlicher Einfluss und die Macht, sinnvolle Gesetze zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger zu erlassen. All dies – und mehr – ist in Gefahr.

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In TTIP steckt ein ACTAplus

(Anmerkungen im Rahmen des Workshops: „Digital rights, data protection, TTIP and CETA“ während der TTIP-Konferenz der GUE/NGL-Fraktion am 9.12.2014 in Brüssel. Die mündliche Fassung war etwas eingekürzt.)

I.

Grundsätzlich gilt TTIP inzwischen vielen Bürgerinnen und Bürgern als Angriff auf politische Entscheidungsräume, als Entmachtung der Parlamente, von den Kommunen bis zu den europäischen Mitgliedsstaaten. In dieser Hinsicht ist TTIP als Demokratiekiller schon oft beschrieben worden. Doch vor dem Altar des TTIP sind alle gleich: Parlamente, Kinos, das Internet, Fernsehen, Theater, Hochschulen, all die Orte, wo wir lernen, kommunizieren, Wertorientierung entwickeln und debattieren… Überall könnten für große Unternehmen „Handelshemmnisse“ auf dem Weg liegen.

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Die Überlebenden sind nicht mehr lange für uns da.

1945 hat Europa Traditionen und Kulturen unter der Asche des Krieges und des Völkermordes Hitlerdeutschlands begraben. Mit den Nürnberger Prozessen beginnt ein langer Weg, indem die Aufarbeitung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit weltweit ernst genommen wird. Erst 1998 –mit dem Statut von Rom – wird der Internationale Strafgerichtshof (ICC) begründet. Es ist schwer zu begreifen, dass die Regierung der USA, dass das Land des Exils, dessen Bürgerinnen und Bürger in den Nürnberger Prozessen eine so entscheidende Rolle spielten, einen Internationalen Strafgerichtshof bis heute ablehnt. Weiterlesen

„Hamburg, meine Schatzstadt, wo die Schiffe im Hafen schlafen.“ (Lassie Singers)

Wer – aus einer europäischen Perspektive – Menschen hinter dem Geflecht der Warenströme auf unserem Planeten sehen will, geht ins Kino und schaut sich Hubert Saupers preisgekrönten Dokumentarfilm: Darwin’s Nightmare (2004) an. Während der Filmemacher in den 90er Jahren den Bürgerkrieg in Ruanda dokumentierte, wohnte er auf dem Flughafen im tansanischen Mwanza einem seltsamen Warenumschlag bei. Während aus einem Flieger Lebensmittel aus organisierter UN-Hilfe für ruandische Flüchtlinge ausgeladen wurden, wurde eine andere Maschine mit frischen Fischfilets für Europa gefüllt. Weiterlesen

Abenteuerurlaub – made by Vattenfall

Vattenfall – der schwedische Staatskonzern – hat die ostdeutsche Energiewirtschaft fest im Griff. Besonders munter ist der Energieriese auch, wenn es darum geht, die Problemlagen einer nachhaltigen Energiepolitik weg zu kommunizieren. Das stört Beschäftigte in einer Region, in der die Arbeitsplätze knapp sind, wenig.

Sicherlich wird man kein Angebot finden, bei dem man live die Simulation von Kohlendioxid-Verpressungen, für die sich Vattenfall im Brandenburgischen so vehement einsetzt, nachvollziehen kann. Auch wird kein öffentlich zugänglicher Langzeittest im Kleinformat Risiken dieser fossilen Brückentechnologien erkunden und zum Dialog einladen. Dafür kann man heutzutage Ausläufer des fossilen Zeitalters als Abenteuerurlaub erkunden. Weiterlesen

Erstaufnahme Berlin-Spandau

In der Grundrechtecharte der EU heißt es im Kapitel II zu den Freiheiten im Artikel 19 – Schutz bei Abschiebung, Ausweisung und Auslieferung -, im Abschnitt (2) Niemand darf in einen Staat abgeschoben oder ausgewiesen oder an einen Staat ausgeliefert werden, in dem für sie oder ihn das ernsthafte Risiko der Todesstrafe, der Folter oder einer anderen unmenschlichen oder erniedrigenden Strafe oder Behandlung besteht.“ Weiterlesen

“Auch schlechte Menschen können die Welt retten.”

I.

Endzeitliche Öko-Thriller geistern durchs Kino, füllen Bücherregale und lösen ein ums andere Mal Debatten über Gefahren, Risikoeinschätzung und politische Zahnlosigkeit gegenüber der Erderwärmung aus. Romane, wie Schätzings „Schwarm“ (2004) oder McEwans „Solar“ (2010) werden gern auf ihre wissenschaftliche Stichhaltigkeit geprüft. Oft folgen Prozesse gegen die Literaten und deren Rechercheergebnisse über die Klimaforschung, umliegende physikalische Experimente und Richtungen der aktuellen Grundlagenforschung. Michael Crichton, der Erfinder von Jurrasic Park, drehte den Spieß um und machte die Wissenschaftlichkeit unserer Gewissheiten selbst zum Thema, so geschehen in „Welt in Angst“ von (2005). Weiterlesen

Sie schweigen lieber über die Herkunft (1) – CHARTA DER GRUNDRECHTE DER EUROPÄISCHEN UNION

Artikel 21

Nichtdiskriminierung

Diskriminierungen, insbesondere wegen des Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der ethnischen oder sozialen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung, sind verboten. (Kapitel III, Gleichheit, – 2000/C 364/01) Weiterlesen