Freude schöner Götterfunken

„Dieser Krieg führt uns die Verletzlichkeit kultureller Vielfalt vor Augen und unseren Unwillen oder unsere Unfähigkeit, diese Vielfalt zu schützen.“, schrieb Annett Zinsmeister 1997 in ihr Reisetagebuch über Sarajewo. (1) Im Krieg wurden die Toten auf den Friedhöfen nicht mehr nach Religionen und Überzeugungen getrennt. Weiterlesen

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Dann sind wir Helden für einen Tag

David Bowies „Heroes“ stand in der DDR auf dem Index. Das Lied durfte sich weder in Vinyl gepresst in einem durchleuchteten Päckchen befinden, noch in Radiostationen gespielt werden. Die Lovestory der Königskinder, die im Niemandsland eines Rocksongs zueinanderfinden, gehörte zum Soundtrack der Babyboomer im Osten wie im Westen. Weiterlesen

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“Stirbt Trevira – Stirbt Guben”

Die am 6. Juli 1950 proklamierte Oder-Neiße-Grenze war im erschütterten Nachkriegseuropa alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Noch in den 50er Jahren wurde der Grenzverlauf zwischen der neuen Doppelstadt – Guben in der DDR und Gubin in der Volksrepublik Polen – militärisch gesichert. Die Mächtigen der SED und der PVAP handelten nach und nach Lockerungen im Grenzverkehr aus. (1) 1980 wurde die Grenze wieder geschlossen. Weiterlesen

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Die Postkarte

Eine wahre Geschichte zum Tode von Christa Wolf (18. März 1929 – 1. Dezember 2011)

Es ist viele Jahre her, da lernte ich die Mutter eines Studienfreundes, eine Frau namens Christa S., kennen. Sie hatte ein eigenes und fünf Stiefkinder großgezogen und lebte mit einem diplomierten Jäger zusammen. Beide bewohnten ein seltsam großes und dunkles Haus mitten auf dem Gelände des Forstinstituts in Eberswalde. Christa S. ging im Institut ihrer Arbeit als Bibliothekarin nach. Sie las unentwegt Bücher, konnte mir von Émile Ajar bis Lion Feuchtwanger erzählen, was ich unbedingt noch lesen könnte. Sie mochte mich. Ihr Sohn bewohnte mit mir und einem weiteren Freund eine Studentenbude. Ostern 1983 waren wir – wie oft an längeren Wochenenden – die »Kinder« in Christa S.’ Haus, konnten uns am Kühlschrank und am Bücherregal bedienen. Weiterlesen

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Rausch des Sommers IV – Die Drogenduftorgel

Preussische Spirituosen Manufaktur, Berlin-Wedding

Preussische Spirituosen Manufaktur, Berlin-Wedding

“Über 200 Duft- und Geschmackstoffe aus Blüten, Kräutern, Wurzeln, Rinden und Samen machen die Drogenduftorgel der Preussischen Spirituosen Manufaktur zum Ausgangspunkt sämtlicher Kompositionen.” Wer immer dies ins Faltblättchen einer ungewöhnlichen Weddinger Destillieranstalt geschrieben hat, bekommt den Preis für die Wortschöpfung der Woche, verliehen vom hiesigen Blaue-Stunden-Blog. Doch deshalb lohnt es kaum, die Tastatur zu quälen. Der tiefe Grund ist die Preisung hochprozentiger Kunst. Weiterlesen

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Rausch des Sommers III – Fair Trade Koks?

Liebe Grüne-Jugend,

ich protestiere gegen Eure schwachsinnige Drogenpolitik. Sie ist inkompetent und verantwortungslos. Meine Söhne brachten gestern (leere) Wahlkampftütchen von Euch nach Hause, deren vormaliger Inhalt folgerichtig “Nur das beste Grün ins Tütchen” geraucht wurde. Weiterlesen

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Rausch des Sommers II – Helgoland im Juni

Der Lummensprung. Das große Ereignis der kleinen Insel.

Helgoland

Oberland Helgoland

Über die Fahrt mit der Fähre am Sonntag, den 19. Juni, ab Büsum wollen wir schweigen. Windstärke 8 bis 9. Arme Tagesbesucher. Da hingen sie über den Tüten und mussten mit anhören, dass die letzte Fähre nicht erst 16 Uhr, sondern wegen weiter aufkommenden Sturms schon um 15 Uhr ablegt. Zweimal die Schaukel des Grauens für 44 Euro, ein Schälchen Milchreis und Tee auf dem verregneten Inselrundgang und Würgereflexe bei Eiergrog und frischem Fisch. Toller Tag. Helgoland. Nein Danke.

Helgolandentdecker machen keine Tagestouren, denn Zigaretten, Parfüm, Schokolade und Whisky sind ohne Fährfahrkarte preiswerter. Sie bleiben einige Tage. Weiterlesen

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Gramscis Hegemoniekonzept – ein produktives Missverständnis

(Teil 1 – zu Gramscis Kulturverständnis – Intro innerhalb einer AG der Frühlingsakademie der LINKEN, EJB Werbellinsee/Brandenburg, 19. Mai 2011)

These 1

Der Hegemoniebegriff zielt – neben der politischen Analyse von Kräfteverhältnissen – auf eine kulturelle Begründung politischer Ideen

Gramsci hat den Hegemoniebegriff für die Einheit von Herrschaftsformen entworfen, die über das Kapitalverhältnis hinaus, in den Institutionen des Überbaus – wie Schulen, Theater, Kirchen, Vereine und Parteien – geprägt werden. Er erkennt, dass die Zustimmung der Unterdrückten, sich nicht nur aus einem nackten ökonomischen Abhängigkeitsverhältnis speist. Institutionen der Zivilgesellschaft spielen beim Erhalt der Herrschaftsstrukturen neben dem Staat (im engeren Sinne) eine enorme Rolle.  „Wie entsteht aus diesen Strukturen die historische Bewegung?“, lautet Gramscis[1] Frage, nachdem sich nicht die Ideen der Oktoberrevolution, sondern ein europäischer Faschismus ausbreiten. Gramsci lieferte damit Anstöße für moderne politische Theorien, die auf ein funktionelles Zusammenspiel mehrerer Herrschaftsverhältnisse setzen. Feministische und queere Theorien verweisen schon lange auf die Verschränkung des Kapitalverhältnisses mit dem historisch älteren Patriachat und dem Rassismus. [2] Weiterlesen

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Gramscis zwiespältiges Verhältnis zu den Künsten

(Teil 2 – zu Gramscis Kunst- und Kulturverständnis – Intro innerhalb einer AG der Frühlingsakademie der LINKEN, EJB Werbellinsee/Brandenburg, 20. Mai 2011, schriftliche Version)

1. Aspekte von Gramcsis Kunstauffassung

Warum Gramsci den Künsten einen hohen Stellenwert einräumte, haben wir am gestrigen Tage einigermaßen geklärt: Die Künste sind Teil des hegemonialen oder gegenhegemonialen Diskurses über grundlegende gesellschaftliche Widersprüche. In vielen Texten offenbart Gramsci ein ausgesprochen instrumentelles Verhältnis zu den Künsten. Sein Ansatz entspringt der Perspektive des Parteipolitikers und weniger der des Praxisphilosophen. Weiterlesen

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Rausch des Frühlings II – Stresstest für Berlin?

Ostern_Frühlingserwachen

Ende der Fastenzeit

Meine Freundin hat’s ja gut getroffen, schenkten ihr nämlich Freunde einstmals zu einem dieser unverschämten Geburtstage im Leben einer Frau ein Kunstwerk, welches ein gut funktionierender Dildo in Form des würdevollen Johann Wolfgang war. Extraklasse war die batteriebetriebene Skulptur auch jenseits der künstlerischen Ambitionen. Durch diesen Fanartirkel aus dem Goethejahr 2001 konnte der Geheimrat nun ganz in Schwarz und aus feinstem beweglichen Gummi wirklich in jeder Lage geneigte Aufnahme finden. So kommt man doch auch und übergangslos zum Osterspaziergang. Weiterlesen

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