Der Kniefall Willy Brandts in Warschau

Krzysztof Wojciechowski, der Autor des unglaublich dichten Buches Meine lieben Deutschen (2002 im Westkreuz-Verlag, Berlin/Bonn erscheinen), belebte eine Tagung kurz vor der EU-Erweiterung, im Februar 2004, mit folgendem verwirrenden Fazit: „Neben dem zivilisatorischen Nutzen hat das Frühaufstehen auch noch einen metaphysisch-theologischen Nutzen. Das jüngste Gericht beginnt mit Sicherheit um vier Uhr morgens. Natürlich werden die Deutschen als erste in der Schlange stehen, mit Handgepäck ohne Übergewicht und mit vollständigen Papieren. Der verschlafene Herrgott brummelt ein wenig und lässt sie dann in den Himmel, denn um vier Uhr will schließlich noch niemand radikale Entscheidungen treffen. Die Deutschen belegen natürlich die besten Plätze, was dazu führt, dass die irdischen Streitereien die ganze Ewigkeit über andauern werden. Deshalb meine ich, dass die Idee, das Paradies sei in politischer Hinsicht ungefährlich, nicht zu akzeptieren ist.“(1) Weiterlesen

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Abenteuerurlaub – made by Vattenfall

Vattenfall – der schwedische Staatskonzern – hat die ostdeutsche Energiewirtschaft fest im Griff. Besonders munter ist der Energieriese auch, wenn es darum geht, die Problemlagen einer nachhaltigen Energiepolitik weg zu kommunizieren. Das stört Beschäftigte in einer Region, in der die Arbeitsplätze knapp sind, wenig.

Sicherlich wird man kein Angebot finden, bei dem man live die Simulation von Kohlendioxid-Verpressungen, für die sich Vattenfall im Brandenburgischen so vehement einsetzt, nachvollziehen kann. Auch wird kein öffentlich zugänglicher Langzeittest im Kleinformat Risiken dieser fossilen Brückentechnologien erkunden und zum Dialog einladen. Dafür kann man heutzutage Ausläufer des fossilen Zeitalters als Abenteuerurlaub erkunden. Weiterlesen

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Erstaufnahme Berlin-Spandau

In der Grundrechtecharte der EU heißt es im Kapitel II zu den Freiheiten im Artikel 19 – Schutz bei Abschiebung, Ausweisung und Auslieferung -, im Abschnitt (2) Niemand darf in einen Staat abgeschoben oder ausgewiesen oder an einen Staat ausgeliefert werden, in dem für sie oder ihn das ernsthafte Risiko der Todesstrafe, der Folter oder einer anderen unmenschlichen oder erniedrigenden Strafe oder Behandlung besteht.“ Weiterlesen

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“Auch schlechte Menschen können die Welt retten.”

I.

Endzeitliche Öko-Thriller geistern durchs Kino, füllen Bücherregale und lösen ein ums andere Mal Debatten über Gefahren, Risikoeinschätzung und politische Zahnlosigkeit gegenüber der Erderwärmung aus. Romane, wie Schätzings „Schwarm“ (2004) oder McEwans „Solar“ (2010) werden gern auf ihre wissenschaftliche Stichhaltigkeit geprüft. Oft folgen Prozesse gegen die Literaten und deren Rechercheergebnisse über die Klimaforschung, umliegende physikalische Experimente und Richtungen der aktuellen Grundlagenforschung. Michael Crichton, der Erfinder von Jurrasic Park, drehte den Spieß um und machte die Wissenschaftlichkeit unserer Gewissheiten selbst zum Thema, so geschehen in „Welt in Angst“ von (2005). Weiterlesen

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Quo vadis EU?

Welche geschützten Wege kann man gehen und mit welcher Geschwindigkeit sich fortbewegen, wenn man Nahrung oder Wasser besorgen muss und weiß, dass man jederzeit und willkürlich von einem ‚Sniper‘ erschossen werden könnte…?“, fragte Jean-Babtiste Joly1 angesichts der Spurensuche Annett Zinsmeisters, die ein Reisetagebuch über Sarajewo 1996 veröffentlichte. Ihre Bilder und Notizen sind Dokumente der Verwüstung, der Anklage und der Überlebensstrategien der Zivilbevölkerung. Weiterlesen

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Sie schweigen lieber über die Herkunft (1) – CHARTA DER GRUNDRECHTE DER EUROPÄISCHEN UNION

Artikel 21

Nichtdiskriminierung

Diskriminierungen, insbesondere wegen des Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der ethnischen oder sozialen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung, sind verboten. (Kapitel III, Gleichheit, – 2000/C 364/01) Weiterlesen

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Ornament der Offenheit

Das Künstlergruppe Wiener Secession, präsidiert von Gustav Klimt, nahm ein Jahr nach ihrer Gründung 1897 ihre eigene Ausstellungshalle in Besitz. Das Gebäude in der Wiener Innenstadt ist ein Inbegriff der Uneindeutigkeit, eine raumgewordene Version des Postulats der künstlerischen Freiheit. Ein Zeitgenosse beschrieb diese Kombination aus ornamentaler Kuppel und funktionalem Kubus als „Zwittergeburt zwischen Tempel und Magazin“. Weiterlesen

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Aus der HartzIV-Geschichte: Hartz Vorboten

Ausruhen* Der folgende, vorgeblich heitere Text wurde 2001 im Onlinemagazin “Mein Schatz” unter dem Titel “Rausch des Winters II” von Wilma vom Senf veröffentlicht. Nun schon ein Dutzend Jahre alt hat sich absolut nichts zum Besseren entwickelt, im Gegenteil. Erst vier jahre nach der Veröffentlichung tragen die Hartz-Gesetze 2005 in Kraft.

Die Praxis der Zwangsverrentung, gesetzlich gedeckt seit 01.01.2013 ist der Gipfel auf dem Eisberg der Sanktionspraxis und Entrechtung Erwerbsloser. Die sinnlosen Maßnahmen zur “Selbstoptimierung” der “Kunden” bei den Jobcentern haben hingegen stetig zugenommen. Die kleinen feinen Träger, die noch mehr oder weniger sinnvolle Weiterbildungen anboten, um strukturellen Änderungen auf dem Arbeitsmarkt begleitend zu bewältigen, gibt es immer weniger. Die Förderung des zweiten Arbeitsmarktes oder eines öffentlich-geförderten Beschäftigungssektors funktionierte bisher nur sporadisch und mit ständig sinkenden außertariflichen Löhnen. Deshalb hat sich die “Blaue Stunde” entschlossen, den Text von 2001 noch einmal zu veröffentlichen.   Weiterlesen

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Lesetipp – Konstanze Kriese: Vom schwierigen Auszug aus dem Fordismus

Arbeit und Produktion im digitalen Zeitalter

Die Veränderungen vom Automobilbau bis zur Medizintechnik sind genauso tiefgreifend wie die Entstehung der »Creative industries«. Erst wenn die Arbeitswelten in Callcentern, der internationalen Logistikbranche, von Kaffeebäuerinnen und Textilherstellern, von Pflegekräften und Radiostationen, in Internetagenturen sowie im Café um die Ecke zusammengedacht werden, lassen sich wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen in den sozial und strukturell zerklüfteten Arbeitswelten genauer beschreiben. Dann ist der »digitale Bohemien« einer von vielen und einer mit vielen Abhängigkeiten. Er isst bekanntlich Pizza und trinkt Kaffee. Die Pizza kann er im Netz bestellen und mit regionalen Rohstoffen herstellen lassen. Doch der Kaffee kommt aus einer anderen Welt, mit der nicht nur er digital vernetzt, sondern auch geschichtlich verbunden ist. Weiterlesen

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Freiheitsbegriffe: reklamiert, okkupiert, neuformuliert und durchlebt

Handbuch zur Freiheit: Schritt für Schritt ins Paradies

Ein Hand- und Lesebuch zur Freiheit

Pünktlich zur Konferenz “Macht ohne Herrschaft”, veranstaltet von der Ema.Li in den letzten Februartagen im Haus der Demokratie in Berlin (2013) erschien aus deren Dunstkreis das beim Katrin Kramer Verlag Berlin erschienene Büchlein: Schritt für Schritt ins Paradies. (Hg.) Karsten Krampitz und Klaus Lederer.

Bernd Hüttner hatte es vorab im Prager Frühling mit sichtlichem Vergnügen rezensiert und resümiert:

“An dem Buch, das insgesamt 29 Artikel enthält, werden viele Kritik  üben. Den ParteianhängerInnen dürfte es zu anarchistisch, zu kritisch und frech,  zu un-Partei-isch sein. Weiterlesen

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