Erst kommen die Bagger, dann kommen die Spinner…

Förderbrücke als Kulturdenkmal

Förderbrücke F60 als Kulturdenkmal (Foto: DPOM)

Was mir bei der Diskussion zentral erscheint, ist der offene Prozess und die Notwendigkeit einer Öffnung. Ich habe gestern den Spaziergang durch den Tagebau Welzow geführt und möchte kurz schildern, wie es im Tagebau Golpa-Nord war. Zu den Spaziergängern kamen innerhalb von vier Jahren bis zu 7.000 Besucher z. T. bis aus Hamburg angereist, und sie haben 21DM Eintritt bezahlt. Sie können davon ausgehen, dass in fünfzig Jahren keiner aus Hamburg nach Gräfenhainichen anreisen wird, um dort in ein Segelboot zusteigen oder um dort baden zu können. Ich möchte dafür appellieren, den Raum zu öffnen – öffnen für Spinner, für Spieler, für Fremde, die ganz andere Sachen machen wollen. Erst so kann etwas Neues entstehen.“ (1 und 2) Weiterlesen

IBA oder wie man in zehn Jahren Jahrhunderte erfinden will

Die Lausitz ist das Land, in dem Fürst Pückler lebte und Konrad Zuse lernte. Der eine erfand das Kopierpapier, der andere automatisierte monotone Berechnungen durch die Erfindung des ersten Computers, des Z3. Beide waren Lausitzer, der eine als liberaler Fürst und dies zeitlebens. Der andere kam als Kind nach Hoyerswerda und besuchte das dortige Reform-Gymnasium, das heutige Lessing-Gymnasium, ehe er in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach Berlin zum Studium ging.

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September im Staub des Jahrhunderts

1964. Wer in Lauchhammer eingeschult wurde, feierte im „Koker“. Die Blüschen waren höchstens zwei Stunden weiß und die Fensterbretter wurden vor Eintreffen der Verwandtschaft ein letztes Mal abgewischt. Die Oma kam aus dem luftigen Erzgebirge. Der Opa starb in seinem Garten nahe dem Uranabbau der Wismut AG. Dort waren die jungen Burschen reich und wurden nicht alt. In die Kohle zu gehen, in die Lausitz, war zwar mit einem ewigen Schleier aus Schmutz und Schmiere verbunden, aber es versprach ein längeres Leben. Weiterlesen

Feuerkörbe auf dem Theatervorplatz

Senftenberg. Drei Schauspieler und der Intendant, Sewan Latchinian, begrüßen ihr Publikum. Das 3. GlückAufFest beginnt. Dario Fos „Bezahlt wird nicht“ wird der Auftakt für eine ausufernde Theaternacht. Das Leben wirft die ehrenwerten Orientierungen gründlich durcheinander, verlangt das Umwerten der Ereignisse, einen neuen Zusammenhalt, um aus dem Dasein mehr als einen Existenzkampf zu machen. Weiterlesen

Einer aus dem Tagebau, geb. 1930

Er war der Sohn des Bergarbeiters Franz und der Strickerin Luise.

Manfred Karl Pfeifer beendete „1949 die Oberschule in Glauchau … immatrikulierte sich an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig, wechselte 1951 zum Maschinenbaustudium … [nach] Rostock, das er ab 1953 an der Technischen Hochschule Dresden in der Fachrichtung Fördertechnik fortsetzte…“ Er sprach viele Sprachen und spielte manisch Schach.

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Wenn Leerraum Freiraum werden soll – Teil 2

Der Titel der Streitschrift des Architekturtheoretikers Wolfgang Kil „Luxus der Leere“ hat eine erklärende Unterzeile:  „Vom schwierigen Rückzug aus der Wachstumswelt“.  (1)

Er setzt auf die unpopuläre Forderung nach mehr Staat. Seinem scheinbar restriktiven politischen Zugang  wird man etwas abgewinnen, wenn man auf die gescheiterte Großprojektesubventionspolitik des Bundes und der ostdeutschen Länder schaut, die sich als ständig scheiterndes Projekt einer problemlösungsresistenten Simulationsgesellschaft erweisen. „Mit gigantischen Transfers wird so im Osten der Anschein eines Business as usual aufrecht erhalten, wird Marktwirtschaft gespielt.“ (2) Weiterlesen

Wenn Leerraum Freiraum werden soll – Teil 1

Der Titel der Streitschrift des Architekturtheoretikers Wolfgang Kil „Luxus der Leere“ hat eine erklärende Unterzeile:  „Vom schwierigen Rückzug aus der Wachstumswelt“.  (1)

Wir wissen bis heute nicht genau, wann die Zeit des Wachstumsdenkens begann. Europas Erblühen datiert schon einige Jahrhunderte vor der Erfindung der Dampfmaschine, die im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung hätte gebaut werden können. Doch erst 15 Jahrhunderte später akkumulierte die Dampfmaschine Kapital. Weiterlesen

Gläserne Industriegeschichte

Im Jahre 1837 wurde in Haidemühl eine Glashütte errichtet. Es verging noch ein Jahrhundert, bis aus 30 Stunden Nonstop-Maloche ein 8-Stundentag  wurde. Hohlgläser, Lampenschirme und Parfümflaschen kamen aus der Hütte. Zu DDR-Zeiten ging die Glashütte in Volkseigentum über, wurde sie wieder einmal modernisiert und um ein großes Kulturhaus erweitert. Ab 1971 war die Haidemühler Hütte der Alleinhersteller von Milchflaschen, die einen halben Liter fassten und in die auch der stichfeste Joghurt gefüllt wurde. Weiterlesen

Bitte denken Sie an die Umwelt, bevor Sie diese E-Mail drucken.

Der Online-Service von Vattenfall schrieb im November des vergangenen Jahres an seine Berliner Kunden folgende Mail: Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde, die Preise für Ihren Stromliefervertrag mit der Vertragskontonummer xxxxxxxxxxxx werden zum 01.01.2010 angepasst.“

Neu war mir zum Ersten, dass mein Vertrag selbst auch etwas kostete. Bisher war ich arglos davon ausgegangen, dass ich für den Vertragsinhalt, meinen Stromverbrauch zahlte. Man lernt nie aus.

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